Wenn ich ein Eigenheim haben möchte, habe ich verschiedene Varianten das zu gestalten. Zwei krasse Gegensätze sind dabei das Bauen auf der berühmten grünen Wiese nach den eigenen Vorstellungen oder der Erwerb eines denkmalgeschützen Schmuckstückchen in der Altstadt. Beides hat seinen Charme und beides ist absolute Geschmacksache.

Genauso ist es auch mit und in Unternehmen: Ich kann einen bestimmten Bereich oder ein komplettes Unternehmen völlig neu, also auf der gründen Wiese, designen und aufbauen oder ich kann etwas Bestehendes veredeln. Es sind in beiden Fällen große, nur unterschiedliche Herausforderungen.

Kunden fragen mich sehr oft, wie denn der richtige oder einfachste Start für durchgängig dokumentiertes Prozessmanagement im Unternehmen erfolgreich möglich ist. Dabei wünschen sich viele, dass „es“ bei Null anfängt und irgendwann fertig ist. In diesem Fall empfehle ich bei bereits bestehenden Unternehmen immer, von den derzeitig gelebten (!) Prozessen auszugehen und diese unter die Lupe zu nehmen, anstatt auf dem Reißbrett das Rad neu zu erfinden und dann die ganzen oft schon durchlaufenen Erfahrungen erneut zu machen.

Kühn_erforschen_Kopf

Wir dürfen immer davon ausgehen, dass die tatsächlich gelebten Prozesse im Unternehmen einen – vielleicht ursprünglichen – Sinn haben und alle beteiligten Mitarbeiter das Beste für’s Unternehmen wollen. Daher ist es oft kühn, das Bekannte zu bezweifeln und die größte Kunst ist es, aus dem Bekannten die Ziele und Ergebniserwartungen herauszuarbeiten, damit eventuell notwendige Änderungen aus dem Unternehmen und nicht von aussen kommen.