Wie wichtig ein Ziel für einen Prozess ist habe ich bereits mehrfach angesprochen. Oft ist auch der Prozess selbst mit den Dingen, die im Prozess passieren, das Wichtige und nicht zwingend das vordergründige Ergebnis.

Oder anders: Ein Prozess kann mehrere Ziele haben, die nicht unbedingt immer auf dem gleichen Weg erreicht werden oder zumindest nicht in der gleichen Geschwindigkeit. Deswegen ist es super wichtig, dass jeder Prozess ganz genau EIN Ziel hat.

Ein Beispiel aus der kindlichen Entwicklung, das so deutlich vor Augen führt, dass es so viele Prozessziele gibt, die einfach nicht alle gleichermaßen bedient werden können, ohne den beteiligten Menschen negativen Stress zu machen:

In manchen Grundschulen und manchen Pädagogik-Lehren ist es Usus, dass Kinder auf weißem Papier schreiben und rechnen, also ohne Linien und Karos. Dies stößt regelmäßig auf sehr unterschiedliche Ansichten bei Lehrern und Eltern:

  • Viele Eltern und Lehrer möchten, dass ihre Kinder „gerade“ und nicht schief schreiben und halten Linien dabei für hilfreich, weil Menschen später auch ordentlich sein sollen und wortwörtlich alles „auf die Reihe kriegen“ sollen
  • Einige Lehrer und Eltern vertreten die Meinung, dass die Kinder ihre eigene Ordnung finden und genau dies mit den verschiedenen Ansichten der einzelnen Buchstaben, des ganzen Wortes und dann eben der ganzen Seite in ihrer Geschwindigkeit tun und damit ihr Selbstbewusstsein und -vertrauen (weil sie es können) stärken

Beide Ansätze (und es gibt noch mehr davon!) sind verständlich und sollten beide so akzeptiert werden, weil es ja nicht DIE EINE Wahrheit gibt.

Allerdings: beide Ziele lassen sich nicht vereinen! Umso wichtiger, dass es ein Ziel gibt, das mit dem Schreibenlernprozess verfolgt wird.

Im Bild also ein kleiner Einblick in die 4-Monate-Erstklässlerschrift ohne Linien vom Januar 2013.

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